Der Landesparteitag möge beschließen:

Maßnahmen um der Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern vorzubeugen



Es gibt immer mehr Eltern, die bei der Erziehung ihrer Kinder Probleme haben. Sie sind nicht in der Lage ihre Kinder so zu erziehen, wie es wünschenswert wäre. Jedes 5. Kind kann nicht richtig sprechen. Viele Grundschüler können nicht richtig rennen, auf einem Bein stehen oder ein Schreibgerät richtig halten (Quelle: Jürgen Ölkers, Allgemeine Erziehungswissenschaft). Im schlimmsten Fall werden Kinder körperlich oder seelisch misshandelt oder kommen zu Tode.

Die schlimmen Fälle von Kindesmisshandlungen in der letzten Zeit haben uns hellhörig gemacht. Der Minister für Justiz, Gesundheit und Soziales des Saarlandes hat kürzlich angekündigt, dass er im Bundesrat eine Initiative einbringen möchte, durch die die Vorsorgeuntersuchungen U1 bis U10 verpflichtend eingeführt werden sollen.

Die Einführung von verpflichtenden Vorsorgeuntersuchungen hilft sicher in dem einen oder anderen Fall bereits eingetretene Erziehungsmängel und auch Misshandlungen aufzudecken, sie beseitigen aber nicht deren Ursachen. Verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen sind zum Schutz der Kinder wirkungslos, wenn sie nicht mit einer Reihe von weiteren Maßnahmen gekoppelt werden, die an den Ursachen für die Vernachlässigungen und Misshandlungen der Kinder ansetzen.

Es sind in der Regel Probleme der Eltern, die dazu führen, dass Kinder vernachlässigt oder misshandelt werden. Deshalb müssen die Maßnahmen bei den Problemen der Eltern ansetzen. Wichtig ist auch, dass die Hilfen zum Schutz der Kinder frühzeitig ansetzen und nicht erst dann, wenn auffällt, dass ein Kind vernachlässigt worden ist. Es muss alles getan werden, dass es erst gar nicht zu Vernachlässigungen und Misshandlungen von Kindern kommt. Der Prävention (dem Schutz der Kinder) ist absolut Vorrang zu gewähren vor irgendwelchen Interventionsmaßnahmen.

Die Ursachen warum heute Eltern ihrem Erziehungsauftrag nicht mehr gewachsen sind, sind vielfältig. Ein Grund ist sicherlich, dass sich die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse geändert haben. Die herkömmliche Familie mit Vater, Mutter und Kindern ist nicht mehr der Regelfall. Manchen jungen Eltern fehlt deshalb die praktische Erfahrungen im Umgang mit Kleinkindern. Es gibt Fällen, in denen Alkohol und Drogen eine Rolle spielen. Andere Eltern wiederum lassen ihren Frust an ihren Kindern aus. Die Erscheinungsformen der Vernachlässigung und Misshandlungen sind ebenso vielfältig wie die Ursachen.

Viele Kinder lernen nicht mehr richtig sprechen, weil keiner sich mit ihnen beschäftigt. Im schlimmsten Fall kommen Kinder zu Tode, weil die Eltern nicht wissen, wie man mit einem Kleinkind umgeht. Untersuchungen haben gezeigt, dass immerhin 6 von 100 Müttern überhaupt nicht wissen, wie man ein Kind versorgt, wie man es stillt, wickelt oder was es isst. Diese Mütter sind auch völlig hilflos, wenn ihr Kind schreit.
Diese Eltern brauchen Hilfe und Unterstützung.

So vielschichtig wie die Ursachen sind, so vielfältig die Erscheinung der Vernachlässigung, so breit gefächert müssen auch die Maßnahmen sein, um möglichst viele Betroffene zu erreichen. Diese Hilfe muss nicht zwingend staatliche Hilfe sein. Wir sollten uns bewusst sein, dass der staatlichen Hilfe aufgrund der beschränkten finanziellen Mittel Grenzen gesetzt sind. Es muss deshalb auch nach neuen Wegen gesucht werden. Wir denken dabei daran, dass Maßnahmen von Firmen oder Privatleuten gesponsert werden könnten oder dass mehr Eigeninitiativen und Selbsthilfegruppen gebildet werden, die sich der Probleme annehmen.



Damit das Saarland ein kinderfreundliches Land wird, fordert die FDP Saar:



1. Durchführung einer Expertenanhörung

Um optimale Hilfestellungen anbieten zu können, muss zunächst geklärt werden, welcher Hilfebedarf besteht und wie man die bisher die bestehenden Ressourcen am sinnvollsten einsetzen kann. Die Landtagsfraktion wird aufgefordert eine Expertenanhörung durchzuführen, zu der Experten eingeladen werden sollten, die die tagtäglich mit den Problemen befasst sind wie beispielsweise



Vertreter der Jugendämter

Kinderärzte

Vertreter von Organisation, wie beispielsweise dem Kinderschutzbund und dem Müttergenesungswerk, der Stiftung Hospital in St. Wendel

Familienrichter

Vertreter von Jugendhilfeträgern

Vertreter der Kirchen

Vertreter von Schulen



Bei dieser Anhörung sollte es auch darum gehen, dass die im Saarland bestehenden Probleme erfasst werden, um dann entsprechende Lösungen zu finden.



2. Aufklärungsarbeit

Einige spektakuläre Fälle von Kindesmisshandlungen in der letzten Zeit zeigen, dass offensichtlich erheblicher Aufklärungsbedarf dahingehend besteht, wie man als Eltern mit einem Kleinkind umgehen muss. Hier muss vermehrt Aufklärung betrieben werden.

Maßnahmen zur Aufklärung von Eltern können sein:



a. Elternbriefe des ARBEITSKREISES NEUE ERZIEHUNG

Die Elternbriefe des ARBEITSKREISES NEUE ERZIEHUNG Berlin, Boppstraße 10, 10967 Berlin könnten zur Aufklärung beitragen. Diese Elternbriefe sind von Pädagogen, Psychologen, Sozialarbeitern, Erziehern, Männern und Frauen erstellte Ratgeber. Es gibt insgesamt 46 solcher Elternbriefe, die jeweils auf das Lebensalter des Kindes ausgerichtet sind. Sie befassen sich mit fast allen Fragen, die bei der Erziehung der Kinder auftreten. Sie enthalten Hinweise auf die Beratungsmöglichkeiten bei den Jugendämtern; Erziehungsbeartungsstellen, Familienbildungsstellen.

Diese Elternbriefe werden in einer Auflage von 4 Millionen jährlich gedruckt. Sie werden in Berlin und in Bremen kostenlos an die Eltern verschickt. In einigen Gemeinden in Nordrheinwestfalen oder Bayern kostenlos verteilt, zum Teil allerdings nur auf entsprechende Nachfrage. In anderen Bundesländern, wie etwa Rheinland-Pfalz unterstützt das Land die Jugendämter finanziell, um eine bessere Verteilung dieser Elternbriefe zu erreichen.

Es gibt auch private Initiativen in Deutschland, die die Verteilung der Elternbriefe an die Eltern neugeborener Kinder sponsern.

Diese Elternbriefe sind nicht die Werbematerialien, die den Eltern von den Herstellern von Babynahrung oder Windeln oder ähnlichem in Werbepaketen verschickt werden, sondern von Fachleuten erstellte Ratgeber.

Die Elternbriefe enthalten wichtige Informationen für die Eltern. Die FDP Landtagsfraktion und alle Untergliederungen der FDP Saar werden aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass in den saarländischen Kommunen Elternbriefe des ARBEITSKREISES NEUE ERZIEHUNG Berlin, Boppstraße 10, 10967 Berlin kostenlos an die Eltern verschickt werden.



b. Hotline für Eltern

Zur Aufklärungsarbeit gehört die Einrichtung einer Hotline, bei der Eltern anrufen können und um Rat fragen können, wenn sie Probleme bei der Erziehung haben. Bei dieser Hotline sollten die Anrufer anonym bleiben können, um die Schwelle, Rat bei Experten zu suchen, möglichst gering anzusetzen. Diese Hotline soll nicht Hilfe bei alltäglich auftretenden Problemen, wie Fragen nach Anlaufstellen, Ernährung in der Schwangerschaft, Säuglingsernährung oder Kinderkrankheiten sein. Solche Hotlines gibt es sicherlich einige. Es geht darum, dass Eltern dann, wenn sie erhebliche Probleme haben, wenn sie überhaupt mit der Erziehung nicht klar kommen, wenn womöglich schon Vernachlässigungen vorliegen, um Rat fragen können. Gerade in den Familien, in denen die massivsten Problem auftreten, scheuen sich Eltern aus Angst davor, ihr Kind zu verlieren, um Hilfe zu bitten. Wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, auch bei massiven Problemen anonym um Hilfe nachzufragen, nehmen diese Eltern diese Hilfe vielleicht eher in Anspruch. Die Hotline muss im Notfall leicht zu erreichen sein. Unser Ansicht nach muss es sich um eine landesweite Hotline handeln, die man mit einer einfach zu merkenden Rufnummer angerufen kann.

Die FDP Landtagsfraktion wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass eine solche Hotline eingerichtet wird.



c. Elternkurse und Beratungskurse

Die Erziehungsfähigkeit der Eltern könnte durch Elternkurse und Beratungskurse gestärkt werden. Dabei sollten Eltern schon vor der Geburt auf die Möglichkeit der Teilnahme an solchen Kursen hingewiesen werden.

Die FDP Saar fordert, dass solche Beratungsangebote ausgebaut werden.



d. Aufklärung in den Medien

Ein Medium, das zur Aufklärung von Eltern genutzt werden sollte, ist das Fernsehen. Das Fernsehen ist ein Medium, zu dem viele junge Menschen eher Zugang finden, als zu Büchern oder Zeitschriften. Da es hier um das Wohl der Kinder geht sollte vermehrt Aufklärung im Fernsehen betrieben werden.

Die FDP Saar fordert, dass vor allem der öffentlich-rechtliche Rundfunk und das öffentlich-rechtliche Fernsehen sich mehr dem Problem widmet und zur Aufklärung junger Eltern beiträgt.



e. Aufklärung in den Schulen

Familie ist das erste und wichtigste soziale Übungsfeld für Kinder. Viele Kinder und Jugendliche wachsen heute Geschwister auf und sind den Umgang mit Kleinkindern nicht gewöhnt. Sie haben keinerlei praktische Erfahrungen im Umgang mit Kleinkindern. Wichtig ist deshalb auch, dass in den Schulen das Thema Erziehung der Kinder, Umgang mit Kleinkindern aufgegriffen wird. Man könnte den Jugendlichen beispielsweise diese lebensechten Puppen überlassen, die die gleichen Bedürfnisse haben wie Baby, (sie schreien, müssen gefüttert und gewickelt werden). Jugendliche könnten damit üben. Auch wenn die Anschaffung solcher Puppen recht teuer ist, rechnet sich die Anschaffung unseres Erachtens.

Die FDP Saar fordert, dass in den Schulen mehr Aufklärung über den Umgang mit Kleinkindern betrieben wird.



3. Risikomütter

Risikomütter so früh wie möglich erkennen und unterstützen
Durch Aufklärung können sicherlich nicht alle Probleme beseitigt werden. Deshalb ist es wichtig, dass man dort, wo Probleme auftreten, diese Probleme frühzeitig erkennt und Hilfe anbietet.



a. Risiken bereits im Krankenhaus erkennen

Risikomütter bereits im Krankenhaus erkennen und ihnen praktische Hilfe anbieten
Untersuchungen haben gezeigt, dass immerhin 6 von 100 Müttern überhaupt nicht wissen wie man ein Kind versorgt, wie man es stillt, wickelt oder was es isst. Diese Mütter sind auch völlig hilflos, wenn ihr Kind schreit.

In Düsseldorf gibt es seit 7 Monaten ein bundesweit einmaliges Modellprojekt. Dort beobachten Schwestern, Ärzte und Hebammen die Frauen auf den Säuglingsstationen dreier Krankenhäuser genauer, um herauszufinden, welche Frauen zu den Risikomüttern gehören. Hierzu hat der Kinderneurologe Dr. Wilfried Kratzsch in jahrelanger Arbeit ein Raster entwickelt. Diese Risikomütter, die nach dem Raster entdeckt werden, werden auf der Entbindungsstation von den Ärzten gezielt angesprochen. Sie verpflichten sich vor der Entlassung aus dem Krankenhaus schriftlich die Vorsorgeuntersuchungen durchführen zu lassen. Das Krankenhaus informiert Jugendamt und Gesundheitsamt, die wiederum Schwestern beziehungsweise Hebammen zu den Müttern schicken, um diesen praktische Hilfestellung zu geben.

Um dies deutlich zu machen: es handelt sich nicht um die üblichen Untersuchungen und Beobachtungen von Ärzten, Krankenschwestern und Hebammen auf Säuglingsstationen, sondern um das Aufspüren von Problemfällen nach einem ganz bestimmten Raster. Diese Mütter erhalten zusätzlich zu den Hilfen, die ihnen Ärzte und Hebammen anbieten im Regelfall anbieten, weitere Hilfen und es erfolgt eine zusätzliche Kontrolle durch Jugend- und Gesundheitsämter, die normalerweise nicht erfolgen würde.

In Düsseldorf hat man aus diese Weise erreicht, dass die Kinder bei den Familien bleiben konnten und nicht in Heime untergebracht werden mussten. Diese hat auch den positiven Nebeneffekt, dass sich erhebliche Kosten für die Heimunterbringung sparen lassen.

Die FDP Landtagsfraktion wird aufgeordert zu überprüfen, ob ein ähnliches Modellprojekt im Saarland durchgeführt werden kann.



4. Förderung von Selbsthilfepotentialen

Hilfe für die Eltern muss nicht zwingend staatliche Hilfe sein. Hilfe für Eltern ist ein Bereich, in dem Ältere ihre Erfahrungen an Jüngere weitergeben können. Erst kürzlich konnte man in der Presse lesen, dass viele Menschen sich gerne ehrenamtlich engagieren wollen. In der Unterstützung junger Eltern bei Erziehungsproblemen, sehen wir ein Betätigungsfeld, das für beide Seiten – junge und alte Menschen - sehr bereichernd sein kann.



b. Sozialraumprojekte

Heranziehung sozialräumlicher Ressourcen
Sozialraumorientierte Arbeit kann helfen die Risikofälle aufzuspüren und entsprechende Aktivitäten zu entfalten. Bei dieser Arbeit werden personelle, materielle und infrastrukturelle Ressourcen eines bestimmten Stadtteils bei der Sozialarbeit mit herangezogen. Auch dies kann dazu beitragen, Probleme frühzeitig zu erkennen und zu bewältigen.

Im Raum St. Wendel gibt es in einigen Orten ein Modellprojekt, bei dem man in der Jugendarbeit sehr gute Erfahrungen gemacht hat.

Die FDP Landtagsfraktion wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass das Land weitere finanzielle Mittel zur Verfügung stellt, um die wissenschaftliche Begeleitung dieser Modellprojekte zu fördern. Darüber hinaus sollen sich alle Gremien und Untergliederungen der FDP dafür einsetzen, dass der Modellversuch landesweit ausgeweitet wird.



a. Childrens Angels für die Familien

Wir kennen in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens Mentoring und Coaching-Programme, insbesondere in den Bereichen Politik und Wirtschaft. Die Buisness-Angels haben sich bereit erklärt Existenzgründer mit ihrem Know-how zu unterstützen. Wie im Geschäftsbereich könnten sich ältere Menschen als „Childrens Angels“ – als Paten für die Familien zur Verfügung stellen und den Eltern und Kindern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Da es sich bei den Jüngeren, die diese Hilfe benötigen, unter Umständen um Eltern handelt, die selbst Probleme haben, sollte man für die Personen, die ehrenamtlich ihre Hilfe anbieten, entsprechende Schulungen anbieten.



b. Gründung von Kompetenzzentren

Um hier die richtigen Personen zusammenzubringen, sollten Kompetenzzentren gegründet werden, die dann auch die Vermittlung anderer ehrenamtlicher Aufgaben übernehmen könnten.





Gesellschaftliche Rahmenbedingungen beginnen in den Köpfen der Menschen. Kinderfreundlichkeit muss wieder verstärkt als Wert und Einstellung ins Bewusstsein rücken.Wir fordern ein Umdenken in der Gesellschaft. Der beste Schutz für die Kinder ist ein wachsames Umfeld. Wir sollten daran denken, dass Kinder unsere Zukunft sind und uns nicht über den „Lärm“ von Kindergärten beschweren.Kinder sollen das Gefühl haben, dass sie uns willkommen sind und dass wir alles tun, um sie zu schützen.




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