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Bildung

Liebe Mitbürgerinnen,
liebe Mitbürger,

Pisa, Bildungsnotstand und dann das: Gleich zweimal ging vergangene Woche der Nobelpreis an deutsche Wissenschaftler. Das gab es schon lange nicht mehr. Deutschland, das Land der Dichter und Denker, dessen Renommee in den vergangenen Jahren arg gelitten hat, kann wieder selbstbewusst nach vorne blicken. Einen Haken hat die Geschichte aber: Die zu Ehren gekommenen Wissenschaftler, Peter Grünberg und Gerhard Ertl, gehören der älteren Generation an. Sie haben ihre Schulzeit und das anschließende Studium in den fünfziger und sechziger Jahren absolviert. Und sie haben dann eine Hochschullandschaft vorgefunden, die viel Freiraum für Grundlagenforschung ließ und Höchstleistungen möglich machte. Und heute?

Immer mehr wird unser bewährtes Schul- und Universitätssystem ausgehöhlt. Im Saarland hat man erst kürzlich mit der Grundschulreform die Lernbedingungen für die Kinder weiter verschlechtert. Jetzt ist auch die Rede davon, im Zuge von G8 die vorgeschriebene Mindeststundenzahl bis zum Abitur abzusenken. Außerdem konnte man dieser Tage lesen, dass unsere Bundesbildungsministerin die Zahl der Studienabbrecher senken will, indem sie die Abschlüsse erleichtert. Das kann doch nicht der richtige Weg sein! Dass wir gemessen an anderen Industriestaaten nur mittelmäßige Bildungserfolge vorzuweisen haben, sollte uns gerade jetzt vor dem doppelten Nobelerfolg endlich aufwachen lassen. Denn so sehr die Forschung nun glänzt, in der Bildung und Ausbildung unseres Nachwuchses liegt einiges im Argen. So erhalten zahlreiche talentierte junge Menschen keinen Zugang zu höherer Bildung, obwohl wir sie dringend brauchen. Im internationalen Vergleich gibt Deutschland zu wenig für sein Bildungssystem aus, nehmen zu wenige junge Leute nach der Schule ein Studium auf, produzieren die Hochschulen zu wenige Absolventen. Jetzt wäre für die Politik der richtige Augenblick, für die Nobelpreisträger von morgen zu sorgen.

Ihre Karin Nehl



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