Liebe Mitbürgerinnen,
liebe Mitbürger,

wer sich bewegt, eckt an. Das konnte in der vergangenen Woche die Bundesfamilienministerin von der Leyen gleich zweimal erfahren: Einmal mit ihrem Vorstoß, auch Väter in ihr Programm des Elterngeldes mit einzubeziehen, zum anderen mit ihrem Bündnis für Erziehung, zu dessen Auftaktgesprächen sie ausschließlich Vertreter der christlichen Kirchen eingeladen hat. Über die Vorgehensweise mag man geteilter Meinung sein, die Absicht aber ist in beiden Fällen löblich. Kein Zweifel, dass wir bei der fortschreitenden Ökonomisierung unseres Lebens etwas gegen die wachsende seelische Verarmung tun müssen. Und auch das sich stetig verändernde Familienbild verlangt nach Reaktionen seitens der Politik. Die Einführung von sogenannten Vätermonaten beim Elterngeld ist eine konsequente Antwort auf die seit Jahren geführte Klage, dass Väter viel zu selten bereit und in der Lage sind, selber Erziehungszeit zu beantragen. Vätermonate als „Zwang zum Spülen“ zu diskreditieren, wie geschehen, geht an der gesellschaftlichen Realität vorbei. Viele junge Väter würden sich sehr wohl sehr gerne mehr um ihren Nachwuchs kümmern, wenn es gesellschaftlich toleriert wäre. Wenn der Gesetzgeber nun deutlich macht, dass ein Erziehungsbeitrag des Vaters erwünscht ist, könnte es künftig leichter werden, eine Auszeit zu beanspruchen.

Ob die Situation für Familien sich wirklich verbessert, wird wesentlich davon abhängen, wie die Arbeitgeber damit umgehen. Jedenfalls ist es ein durchaus erfolgversprechendes Verfahren, Unternehmen in eine Allianz für Familie mit einzubeziehen und einen Stimmungswandel für ein familienfreundliches Deutschland zu erhalten. Manche Unternehmen haben übrigens bereits erkannt, wie wichtig Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Arbeitsplatzzufriedenheit von Frauen und von Männern ist, und werben schon heute verstärkt mit familienfreundlicher Personalpolitik.

Der öffentliche Dienst hat hier seit Jahren eine Vorreiterrolle. Gleitzeitmodelle, Teilzeitarbeit, Arbeitszeitkonten, also eine gewisse Flexibilität am Arbeitsplatz ist auch in der Saarbrücker Stadtverwaltung gewährleistet. Wegen seiner flexiblen Arbeitszeitmodelle wurde 2005 übrigens das Familienministerium in Bayern von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung mit dem Grundzertifikat „familienfreundlicher Betrieb“ ausgezeichnet. Darum sollte sich auch unsere Stadtverwaltung bewerben als Ansporn, hier noch mehr zu tun als bisher. Das gleiche gilt für Saarbrücker Unternehmen. Im Wettbewerb um Ansiedlung und um Arbeitskräfte werden familienfreundliche Arbeitsplatzangebote immer wichtiger.


Verantwortlich:

Karin Nehl

-Fraktionsvorsitzende-

FDP Saarbrücken
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